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Festival-Wochenende mit Hörspielwiese

27.06. bis 29.06.2018     auf dem Auerworld Festival in Thüringen

*Hörspiel*Feature*Klangkunst*

GERÄUSCHKULISSE MEETS AUERWORLD

DIE HÖRSPIELWIESE ZUM FESTIVAL

Weidenrutenpalast beim Auerworld Festival – ANPASSUNG & WIDERSTAND

Lauschmarathon beim Auerworld Festival 2018 auf der Hörspielwiese. Die GERÄUSCHKULISSE kuratiert und gestaltet in Kooperation mit Studierenden des Experimentellen Radios der Bauhaus-Universität Weimar drei Tage feinstes, handverlesenes, abwechslungsreich buntes, experimentell herausforderndes und klassisch verzauberndes Hörspielprogramm. Im orientalischen Zelt bei einem Glas Chai in faszinierende Welten abtauchen. Ohren auf!

Für alle ist etwas dabei – ob klein, ob groß, ob ausprobierwütig im Workshop, ob lässig zurückgelehnt beim Lauschen, ob wegdriftend unter Sternenhimmel zu abgehobenen Klängen oder in der Sonne dämmernd, märchenhaft, ob Field Recording, Installation, ob Dokumentarisch oder Fiktion, ob laut, ob leise, ob schnell, ob langsam… Wir kredenzen die Crème de la Crème aus Hörspiel, Feature, Klangkunst für Kinder und Erwachsene.

Kommt uns besuchen und lauscht mit uns! Wie immer entführen wir euch und nehmen euch mit. Lasst euch überraschen. Das wird eine großartige Reise!

https://www.facebook.com/events/1262781830491049/

 

 

Schwerpunkt REALITÄTEN DAGEGEN – Anpassung & Widerstand

27.08.2018    20 Uhr    auf der Dachterrasse von der Lehmanns Buchhandlung, Grimmaische Str. 10

SCHWEINE-HEINZ
von & mit Hermann Bohlen

*Hörspiel*

Wildsau im Wald, Nahaufnahme von vorneIch geh mal wieder, sagt Heinz zu seiner Frau und nimmt die Jacke vom Haken. Er geht durch die Waschküche in den Stall, wo schon längst keine Tiere mehr stehen und schippt drei Eimer voll Mais. Nachdem er sie in seinen roten Kombi geladen hat, fährt er in den Wald. Heinz hat’s mit Schweinen, genauer: Mit Wildschweinen, sus scrofa. Vor drei Jahren ist er auf die Idee gekommen, ihre Sprache zu lernen, sich einer Rotte anzuschließen, mit ihr durch die Nacht zu ziehen. Er will Chef der Rotte werden, Führungsbache! Ist der Typ vollkommen verrückt?

Reales Vorbild für Schweine-Heinz war der Elektriker Heinz Meynhardt (1935 bis 1989) aus dem sachsen-anhaltinischen Städtchen Burg, der sich in den siebziger Jahren bemühte, in eine Wildschweinrotte aufgenommen zu werden. Was mit „Ablenkfütterungen“ begann, die die Schweine von den Kartoffeläckern fernhalten sollten, führte nach monatelangem Futterkontakt und jahrelangem Sozialkontakt schließlich dazu, dass er als gleichberechtigtes Rottenmitglied sogar im Wurfkessel, dem Wochenbett der Wildschweine, akzeptiert wurde. Am Ende hatte er drei Rotten unter sich, einen Doktortitel der Agrarwissenschaften und bereicherte das DDR-Fernsehen mit diversen Tierfilmen. Aus dem Elektriker war ein international renommierter Verhaltensforscher geworden.

Mit der Hörspielform hat sich Hermann Bohlen in die Dickung der Subtexte begeben. Denn natürlich geht es hier nicht nur um das Wildschwein. Das Sozialverhalten in einer sexuell homogenen Wildschweingruppe konfligiert mit dem Sozialverhalten im ehelichen Leben von Heinz. Das birgt Stoff für feinste Ironie. Und wenn es schon um den Sex geht, ist der Genderdiskurs nicht weit, der hier unter anderem von den rabaukenhaften Frischlingen geführt wird, weil er sie angefasst hat. Mit seiner Produktion bewegt sich Hermann Bohlen eher in der Tradition des antiken Komödiendichters Aristophanes als in der des französischen Fabel-Klassikers Jean de La Fontaine.

Hermann Bohlen, geboren 1963, lebt als Autor und Produzent von Hörspielen in Berlin. Er ist einer der produktivsten und renommiertesten Hörspielmacher in Deutschland. 1995 war er Stipendiat der Hörspielautoren-Werkstatt des Berliner LCB, aus der Prozedur 7.7.0 hervorging – ausgezeichnet mit dem Hörspielpreis der Akademie der Künste Berlin 1997. Für Alfred C. – Aus dem Leben eines Getreidehändlers erhielt er 2012 den Deutschen Hörspielpreis der ARD. 2015 war er Finalist für den Hörspielpreis der Kriegsblinden mit Lebensabend in Übersee.

Regie: Hermann Bohlen, Judith Lorentz
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2017
Dauer: 49:37 Minuten
Gast: Hermann Bohlen

GEFÖRDERT VON der GVL, Autorenstiftung Frankfurt/Main, Studentenwerk Leipzig. Eine Kooperation mit Lehmanns Buchhandlung. Mit freundlicher Unterstützung von Deutschlandfunk Kultur.

https://www.facebook.com/events/627082204310075/

 

 

Schwerpunkt REALITÄTEN AM RANDE – Lebenswelten & Marginalisierte

17.09.2018    20 Uhr    im Hostel & Garten Eden, Demmeringstr. 57

*Feature*

DIE ALLTÄGLICHKEIT DES UNSICHTBAREN.
JUNGE ROMA IN EUROPA.
von & mit Elisabeth Weilenmann (geb. Putz)

Wohnblock im Viertel Lunik IX in Košice„Soll ich lügen oder die Wahrheit sagen?“ Die Mehrheit der Slowaken bezeichnet Roma als integrationsunwillig. Die Mehrheit der Roma ruft ins Mikrofon, Slowaken seien Rassisten. Zwei Randpositionen einer komplexen Materie. Die Mitte wird dabei oft vergessen. Und so kommen viele Journalisten nach Lunik IX in Košice, einem der größten Ghettos Europas, um eine „Safari“ zu machen. Sie setzen sich in ein Auto und beobachten Menschen hinter verschlossenen Scheiben „aus nächster Nähe“. Manche Journalisten steigen aus, bezahlen ein wenig Geld und Roma liefern Geschichten. Dieses Feature ist der Versuch hinter die Klischeemauer zu blicken.

Elisabeth Weilenmann, geb. Putz 1982, lebt in Wien und arbeitet als freie Autorin und Regisseurin für den öffentlich-rechtlichen Hörfunk in Deutschland und Österreich. Sie produzierte zahlreiche Radiofeatures und Hörspiele und war an interaktiven Hörprojekten wie BLOWBACK beteiligt. Ihre Regiearbeiten wurden mehrfach zum Hörspiel des Monats gekürt.

Regie: Elisabeth Weilenmann
Dauer: 54:30 Minuten
Produktion: DLF Kultur/RBB/ORF 2016
Gast: Elisabeth Weilenmann

GEFÖRDERT VON der GVL, Autorenstiftung Frankfurt/Main, Studentenwerk Leipzig.

https://www.facebook.com/events/2123446261265697/

 

 

Schwerpunkt REALITÄTEN AM RANDE – LEBENSWELTEN & MARGINALISIERTE

29.10.2018    20 Uhr    im Hostel & Garten Eden, Demmeringstr. 57

FRAU HIGGINS.
ANSTELLE VON ERINNERUNG.
von & mit Jens Nielsen

*Hörspiel*

Kopf aus UhrenFrau Higgins weiss manchmal nicht genau, ob sie Kinder hat oder nicht, und wie die heissen. Ist das Demenz oder Charakter? Vergisst sie, oder verdrängt sie? Wenn sie auftritt, zeigt sie jedenfalls einen Verdrängungsgrad, der alle anderen an die Wand drückt. Ben, der Butler, muss es dann richten.

“Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind…”, sagt Shakespeare. Und wenn dann auch noch das Gedächtnis nachlässt, ist der Stoff nicht mehr unbedingt reissfest, wie der Schweizer Autor Jens Nielsen in seinem Hörspiel vorführt, in dem sich alles, aber auch wirklich alles als fraglich erweist. Frau Higgins, zum Beispiel, residiert in ihrer Villa. Ist es ihre Villa? Ist es überhaupt eine Villa? Ben, der Butler scheint mehr zu wissen, schweigt aber. Ist er überhaupt ein Butler? Oder ist er ein Engel, Erzengel, Erzbutler? Constance, womöglich die Tochter, wird in einer Kiste angeliefert und wirbelt Staub auf, sekundiert von Herrn Lugano Seiler, ihrem Lover. Oder ist dieser Mutters Lover?

Der Autor versetzt uns in vertraute Alltagsszenen, die plötzlich aus den gewohnten Bahnen geraten und sich der Kontrolle entziehen. Bei aller Verblüffung über die oft surrealen Einfälle, bei allem Schmunzeln über schräge Situationskomik fühlen wir uns ertappt in geheimen Ängsten, aber auch in subversiven Wunschvorstellungen. Zum Abschluss unseres Jahresthemas REALITÄTEN setzen wir die Fragwürdigkeit von Realität. Mit phantasievoller Lebensweisheit und voll hintersinnigem, poetischem Witz tauchen wir ein in die Welt des Alterns und des Vergessens.

Jens Nielsen, geboren 1966, lebt als Schauspieler, Sprecher und Schriftsteller in Zürich und Berlin. Er absolvierte in Zürich die Schauspielausbildung. Nach seiner Ausbildung wirkte er bei verschiedenen Theaterprojekten mit. Seit 2007 ist er Hausautor der Theaterformation Trainingslager. Sein Werk umfasst Theaterstücke, Hörspiele sowie Bände mit kurzen und kürzesten Erzählungen. Seine Hörspiele waren für den Prix Europa und die ARD Hörspieltage nominiert, 2017 wurde er mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet.

Regie: Claude Pierre Salmony
Produktion: SRF 2015
Dauer: 57 Minuten
Gast: Jens Nielsen

GEFÖRDERT von der GVL, Autorenstiftung Frankfurt/Main, Studentenwerk Leipzig. Mit freundlicher Unterstützung von SRF 2 Kultur.

https://www.facebook.com/events/269954480214946/

 

 

Schwerpunkt REALITÄTEN AM RANDE – LEBENSWELTEN & MARGINALISIERTE

26.11.2018    20 Uhr    im Hostel & Garten Eden, Demmeringstr. 57

CATCH AS CATCH CAN
von & mit Peter Leonhard Braun

*Radiofeature*

leerer Ring beim CatchenWir steigen hinab in die dunklen Ecken der Stadt im Berlin der 60er Jahre. Schweiß, Gebrüll, Aggression und Inszenierung. Professionelle Catcher und ihr Publikum. Was ist das für eine Lebenswelt? Die menschliche Stimme, aufgenommen als Originalton vor Ort, wird zum Ausdrucksmittel und tritt mit dem vom Autor geschriebenen pointierten Text in einen dramatischen Dialog. Das Drama, das im Ring inszeniert wird, findet eigentlich in den Köpfen des Publikums statt. Der Autor konfrontiert seine Hörer mit einem Blick hinter die Fassade, mit dem Widerspruch zwischen scheinbar zivilisierten Menschen und ihrem Drang nach Blutrausch.

In seinem Radiofeature springt Braun – wie ein Meister der Kurzgeschichte – mitten ins Geschehen. Er serviert Schaukampf als nackte Atmo. Damals, zu Beginn der Stereophonie, war dieser Einstieg ohne Worte eine Sensation. Der Hörer wird in das Thema hineingerissen – von brutaler Hand. Die Fantasie springt sofort an und liefert Bilder, die gleichzeitig abstoßen und anziehen. Die Hörer geraten so selbst in den Widerspruch, den das Feature zeigt. Mit Braun präsentieren wir einen Jäger der Töne, einen “der mit den Ohren gafft”. Er mischte die Wohlfühlatmosphäre der 60er und 70er Jahre auf, indem er der filigranen Hörfunkprosa abschwor und ein raues Stück Realität am Frühstückstisch präsentierte. Aus präzisem Wort und ikonischem Geräusch baute er den suggestiven Soundtrack zur Realität und anderen Lebenswelten.

Peter Leonhard Braun, geboren 1929, lebt als ehemaliger Hörfunk-Redakteur und Feature-Autor in Berlin. Er ist einer der Pioniere dieser Kunstform. Der “Fürst des Features” schloss 1953 sein Studium der Volkswirtschaft mit einer Arbeit über die ‘Soziologie des Rundfunks’ ab. Berühmt wurde er 1967 mit seiner stereofonen Dokumentation über die industrielle Tierzucht ‘Hühner’. Von 1974 an war er über zwei Jahrzehnte Leiter der Feature-Abteilung des ehemaligen SFB. Er baute einen der bedeutenden europäischen Rundfunkpreise, den Prix Europa, mit auf und berief die International Feature Conference ins Leben. 2012 wurde er mit dem Axel-Eggebrecht-Ehrenpreis der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig ausgezeichnet.

Regie: Peter Leonhard Braun
Produktion: SFB/WDR/BR/SR 1968
Dauer: 53 Minuten
Gast: Peter Leonard Braun

GEFÖRDERT von der GVL, Autorenstiftung Frankfurt/Main, Studentenwerk Leipzig. Mit freundlicher Unterstützung vom kulturradio vom rbb.

https://www.facebook.com/events/409494999460794/